Ehrliche Einordnung
NAD+ ist fundamental für zelluläre Prozesse. Die Supplementierung ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend bewiesen.
Tierstudien sind überzeugend, große Humanstudien laufen noch.
Was ist NAD+ überhaupt?
NAD+ (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid) ist ein Coenzym, das in jeder Zelle deines Körpers vorkommt. Es ist an über 500 enzymatischen Reaktionen beteiligt und spielt eine zentrale Rolle bei:
- Energieproduktion: Unverzichtbar für die Umwandlung von Nährstoffen in ATP
- DNA-Reparatur: Aktiviert Enzyme wie PARP, die DNA-Schäden reparieren
- Sirtuine: Aktiviert diese "Langlebigkeitsgene", die zelluläre Gesundheit regulieren
- Zirkadiane Rhythmen: Beeinflusst unsere innere Uhr
Das Problem: NAD+ sinkt mit dem Alter
Studien zeigen, dass NAD+-Spiegel mit zunehmendem Alter deutlich abnehmen – um bis zu 50% zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Dieser Rückgang korreliert mit vielen altersbedingten Veränderungen:
Vereinfachte Darstellung basierend auf Humanstudien. Individuelle Werte variieren.
NMN vs. NR: Die Vorstufen im Vergleich
NAD+ selbst kann nicht direkt supplementiert werden – es wird im Verdauungstrakt abgebaut. Deshalb werden Vorstufen (Precursors) verwendet, die der Körper dann zu NAD+ umwandelt:
NMN (Nicotinamid-Mononukleotid)
Direkter Vorläufer, nur ein Umwandlungsschritt zu NAD+
Vorteile: Näher an NAD+, vielversprechende Tierstudien
Offene Fragen: Absorption, optimale Dosierung beim Menschen
Typische Dosis: 250-500mg/Tag
NR (Nicotinamid-Ribosid)
Benötigt zwei Schritte zur Umwandlung in NAD+
Vorteile: Mehr Humanstudien verfügbar, patentierte Formen
Offene Fragen: Effektiver Weg oder Umweg?
Typische Dosis: 300-1000mg/Tag
Was sagt die Forschung?
Hier ist eine ehrliche Einordnung des aktuellen Forschungsstands:
Gut belegt
- NAD+ sinkt mit dem Alter
- NAD+ ist fundamental für Zellgesundheit
- NMN/NR erhöhen NAD+-Spiegel im Blut
- Positive Effekte in Tiermodellen
Vielversprechend, aber früh
- Verbesserung der Muskelfunktion
- Insulinsensitivität
- Ausdauer und Energie
- Kognitive Vorteile
Noch offen
- Langzeit-Sicherheit
- Optimale Dosierung
- Wer profitiert am meisten?
- NMN vs. NR – was ist besser?
Die Verbindung zu Sirtuinen
Sirtuine sind eine Familie von Enzymen, die als "Langlebigkeitsgene" bekannt wurden. Sie regulieren DNA-Reparatur, Entzündungen und Stoffwechsel. Das Entscheidende: Sirtuine benötigen NAD+ als Cofaktor, um zu funktionieren.
Die Theorie: Wenn NAD+-Spiegel sinken, können Sirtuine nicht optimal arbeiten – zelluläre Reparaturmechanismen verlangsamen sich. Durch Erhöhung der NAD+-Spiegel könnten diese Prozesse wieder aktiviert werden.
Wichtiger Kontext: Diese Zusammenhänge sind im Labor und in Tiermodellen gut dokumentiert. Die Übertragung auf den Menschen ist plausibel, aber noch nicht vollständig bewiesen. Große klinische Studien laufen derzeit.
Sollte ich NMN oder NR nehmen?
Das hängt von deiner Risikobereitschaft und deinem Budget ab. Hier eine pragmatische Einordnung:
Wenn du experimentierfreudig bist:
NMN oder NR können Teil eines Longevity-Stacks sein. Starte mit niedrigen Dosen, beobachte, wie du dich fühlst. Erwarte keine Wunder, aber möglicherweise subtile Verbesserungen bei Energie und Erholung.
Wenn du konservativ vorgehst:
Warte auf mehr Humandaten. Konzentriere dich stattdessen auf bewährte Interventionen: Bewegung, Schlaf, Fasten – all diese erhöhen NAD+ auf natürliche Weise.